Reanimationsfeedback im Vogelsberkreis eingeführt
„Eine der Besonderheiten bei der kardiopulmonalen Reanimation, also der Behandlung eines Herz-Kreislaufstillstands, ist, dass wirklich parallel hochkomplexe Entscheidungen getroffen und sehr präzise, gleichzeitig kraftraubende manuelle Handlungen vollzogen werden müssen. Das haben wir so bei keinem anderen Notfall. Der Vorteil ist aber, dass dieser Ablauf, viel mehr als bei allen anderen Notfällen durchstandardisiert ist. Das macht es gleichzeitig notwendig und möglich, die Qualität, sowohl was die einzelnen Handlungen als auch den ganzen Ablauf angeht, zu überwachen und den Beteiligten ein Feedback zu geben. Und das nicht aus einem Training, sondern aus dem realen Einsatz! Die Daten sind schon da, bis jetzt haben wir damit aber nichts oder zu wenig angefangen – das ändern wir jetzt! Das ist ein weiterer Baustein in der qualitativ hochwertigen und modernen notfallmedizinischen Versorgung im Vogelsbergkreis“, erklärt Dr. med. Dennis Humburg, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Vogelsbergkreis.
Im Oktober wurde dafür das sogenannte Reanimationsfeedback an den Start gebracht. Innerhalb von 48 Stunden erhalten alle an der Reanimation beteiligten Mitarbeitenden ein Feedback. Grundlage dafür sind die beim Einsatz erhobenen medizinischen Daten, die in eine Datenbank eingespeist werden. Daten daraus werden automatisiert in ein Feedbackformular überführt und dem Einsatzdienstpersonal zur Verfügung gestellt. Erfasst werden dabei u.a. die Gesamtdauer der Reanimation, die Anzahl der erfolgten Defibrillation und die Angaben zur Drucktiefe der Thoraxkompressionen.
„Der Fokus liegt darauf, die Qualität der Versorgung gemeinsam zu stärken. Zugriff auf die Formulardaten haben ausschließlich die Personen, die aktiv an der Wiederbelebung beteiligt waren. Mitarbeitende können so den Verlauf der Reanimation mit den ERC-Guidelines, also den europäischen Leitlinien zur Reanimation vergleichen“, erklärt Rainer Ruppert, Betriebsleiter beim DRK Rettungsdienst Mittelhessen und ergänzt: „Abweichungen werden während eines so stressigen Einsatzes oft selbst nicht wahrgenommen.“
Ein nachträgliches Reanimationsfeedback ermöglicht den Einsatzkräften eine strukturierte Auswertung der Abläufe, ohne den Stress der akuten Einsatzsituation. Mögliche Verbesserungspotenziale werden so deutlich und sorgen dafür, dass sich die Qualität der Wiederbelebung verbessern kann. Das Reanimationsfeedback ist damit ein wichtiger Baustein moderner Qualitätssicherung im Rettungsdienst – zum Wohl von Patienten und Einsatzkräften gleichermaßen.
Das Reanimationsfeedback als weiterer Baustein für eine qualitativ hochwertige und moderne notfallmedizinische Versorgung im Vogelsbergkreis (von links): Dr. Dennis Humburg (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Vogelsbergkreis), Marie-Sophie Mahr (Bereichsleiterin Lauterbach RDMH) und Rainer Ruppert (Betriebsleiter RDMH).






