FSJ im Rettungsdienst – Erfahrungen aus erster Hand

Wenn im Sommer die Schule endet, stellt sich für viele Schülerinnen und Schüler die Frage, wie es für sie weitergehen soll. Wer nicht gleich im Anschluss mit einer Ausbildung oder einem Studium beginnen, aber etwas Neues kennenlernen und Verantwortung übernehmen möchte, für den kann ein Freiwilligendienst im Rettungsdienst eine sinnvolle Alternative sein.

Doch was heißt es genau, im Rettungsdienst aktiv zu sein? Antworten auf diese Frage geben Helen Spies und Thanée Helfrich, die seit August 2016 ein FSJ absolvieren.„Mir war es wichtig, dass ich nicht einfach irgendein FSJ mache, in dem ich nichts lerne, jeden Tag dasselbe mache und damit im Endeffekt einfach nur Zeit überbrücke. Schon als Kind hat mich der Rettungsdienst immer interessiert“, erklärt Thanée, die auf der Rettungswache in Biedenkopf eingesetzt wird. Zudem hatte sie das Bedürfnis, „etwas ganz Anderes zu machen“, bevor sie ihre Ausbildung zu Mediengestalterin aufnimmt.Helen nutzt das Freiwilligenjahr, um Erfahrungen und Wartesemester zu sammeln. Sie wurde dabei von ihrer Verwandtschaft überzeugt: „Mein Cousin hat das vor ein paar Jahren auch gemacht und meinte, wenn man etwas über sich selbst und über andere Menschen lernen will, sollte man ein FSJ beim Rettungsdienst machen. Und er hat Recht behalten“.

Zu Beginn stand für beide zunächst die Rettungssanitäter-Qualifizierung auf dem Programm. Sie beinhaltet vier Wochen Theorie, je vier Wochen Praktikum in der Klinik und auf der Rettungswache sowie eine Prüfung zum Abschluss. Thaneé erinnert sich: „Die vier Wochen Theorie waren vollgepackt mit allem, was man für die RS-Prüfung wissen sollte, aber es war alles machbar“. Ihre  Grundausbildung bezeichnet sie als durchweg schöne Erfahrung: „Im FSJ-Kurs findet man in der Regel sehr schnell Anschluss oder sogar richtig gute Freunde. Und im Rettungswachenpraktikum wird man perfekt auf das vorbereitet, was einem bevorsteht“.

Nach der erfolgreich abgelegten Prüfung bekommen die Freiwilligen erfahrende Kolleginnen oder Kollegen als feste Partner zur Seite gestellt.  „Ich empfinde meine Schichten mittlerweile als relativ entspannt, lehrreich und interessant. Genauso schnell kann es aber auch aufregend und anstrengend werden, körperlich wie psychisch.  Man weiß einfach nie, was als nächstes kommt“, so Thanée auf die Frage nach ihrem Rettungsdienstalltag. Auch für Helen, die auf der Wache in Kirchhain eingesetzt ist, gibt es hier keine eindeutige Richtung: „Es gibt solche und solche Tage. Manchmal hat man Melder und Schlüssel gerade in die Hand gedrückt bekommen, da muss man auch schon losfahren, manchmal passiert stundenlang nichts“. In jedem Fall gibt ihr der Rettungsdienstalltag ein gutes Gefühl. „Es ist teilweise anstrengend, aber es macht mich auch stolz, Menschen zu helfen, die den Notruf gewählt haben, weil es ihnen schlecht geht.“

Der  freundliche Umgang untereinander und die gute Atmosphäre im Team ist beiden jungen Frauen sehr wichtig. „Woran ich mich wahrscheinlich immer zurückerinnern werde, sind die Kolleginnen und Kollegen. Ich glaube, ich habe selten so viele tolle Menschen auf einmal kennengelernt“, schwärmt Thanée. Selbstverständlich gibt es bei aller Harmonie auch Einschränkungen. „Ich verstehe mich mit allen Kolleginnen und Kollegen im Ost-Kreis gut. Trotzdem gibt es Leute, mit denen man besser klarkommt als mit anderen - so ist nun mal die menschliche Natur“, meint Helen. Angesprochen auf die positiven Aspekte der täglichen Arbeit im Rettungsdienst hat die gebürtige Hamburgerin ebenfalls eine klare Meinung: „Ich finde es toll, dass man Menschen in hilflosen Situationen ein Stück Selbstkontrolle wiedergeben kann, indem man ihnen adäquat hilft“. Für Thanée steht vor allem die persönliche Entwicklung im Vordergrund: „Insgesamt wird man  viel reifer und erwachsener und lernt, anders zu denken, weil man tagtäglich sieht, was wirkliche Probleme sind. Außerdem kann man garantiert offener auf Menschen zugehen und besser mit ihnen kommunizieren“.

Für 2017 sind noch Plätze im Freiwilligendienst zu vergeben.  Mehr Infos

Helen Spies findet es toll, Menschen zu helfen. Sie wird auf der Rettungswache Kirchhain eingesetzt. Foto: RDMH

Für Thaneé Helfrich (Rettungswache Biedenkopf) steht die persönliche Entwicklung im Vordergrund. Foto: RDMH