Erster Jahrgang für neue Notfallsanitäterausbildung komplett

Für die Rettungsdienste in Mittelhessen ist es ein Meilenstein: Am 1. August und am 1. September haben am DRK Bildungszentrum die ersten beiden Ausbildungsgänge zum Notfallsanitäter begonnen.

Gemeinsam mit den Landrätinnen Fründt (Marburg-Biedenkopf) und Schneider (Gießen) begrüßten die Verantwortlichen der DRK und JUH Rettungsdienste am 04.09.2014 die Teilnehmer des ersten Jahrgangs. Das DRK Bildungszentrum gehört hessenweit zu den ersten Bildungsträgern, die mit der Ausbildung zum Notfallsanitäter bereits begonnen haben.

40 schulische Ausbildungsplätze stehen im DRK Bildungszentrum zur Verfügung. „Wir starten betrieblich mit 24 Azubis und werden auf diesem Niveau auch in den Folgejahren ausbilden,“ berichtet DRK Geschäftsführer Markus Müller.  „Wir brauchen diesen Nachwuchs.“ Auch andere Rettungsdienste können am DRK Bildungszentrum Mittelhessen ausbilden lassen. Die Johanniter (Regionalverband Mittelhessen) haben 3 Teilnehmer in die ersten Kurse entsandt. Für Regionalvorstand Oliver Meermann ist die gemeinsame Ausbildung eine Selbstverständlichkeit. „Schließlich arbeiten wir seit Jahren eng und vertrauensvoll zusammen“, bekräftigt er. Dozenten der JUH verstärken das Team des Bildungszentrums. Die Zusammenarbeit trägt auch in anderen Bereichen Früchte. So werden seit Jahren die Mitarbeiter der Einsatzdienste gemeinsam fortgebildet. Auch im Leitungsdienst besteht bei größeren Einsätzen eine enge Kooperation. Aktuell bemühen sich DRK und JUH gemeinsam mit dem UKGM um eine strukturelle Verbesserung der Neugeborenen-Erstversorgung in der Region.

Anfang des Jahres war das neue Notfallsanitätergesetz in Kraft getreten. Es schreibt vor, dass in einer Übergangszeit von sieben Jahren das neue Berufsbild eingeführt werden soll. Die Ausbildung verlängert sich von bisher zwei auf drei Jahre. Der „Notfallsanitäter“ löst den bisherigen „Rettungsassistenten“ ab.
 
Die neue Ausbildung stellt aus Sicht der Verantwortlichen eine Verbesserung für alle Beschäftigten im Rettungsdienst dar. In der Ausbildung werden breitere Kompetenzen vermittelt als bisher, weiterhin erfolgt durch ihre Verlängerung auf drei Jahre eine Gleichstellung mit anderen Gesundheitsberufen.

Landrätin Kirsten Fründt (Marburg-Biedenkopf) unterstrich: „Die Landkreise sind für die Planung der rettungsdienstlichen Versorgung verantwortlich, also dass die Rettungswagen und Notärzte in ausreichender Zahl strategisch gut im Landkreis verteilt sind. Dass die Notfallsanitäterausbildung jetzt begonnen wird, ist enorm wichtig. Wir brauchen eine stabile Personalsituation für den künftig weiter steigenden Bedarf. Zudem kämen gut ausgebildete und hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unmittelbar den Menschen zugute, die auf die Hilfe des Rettungsdienstes angewiesen sind.“

Anita Schneider, Landrätin des Landkreises Gießen, bekräftigte: „Die Aufwertung des Berufes ist im Hinblick auf die aktuellen, vor allem aber die künftigen Anforderungen bei der Patientenversorgung überfällig. Im Landkreis Gießen verzeichnen wir nicht nur eine Zunahme der Rettungsdiensteinsätze - zwischen 2010 und 2013 alleine um rund 5.000 von 33.337 auf zuletzt 38.323 - auch die Gesellschaft selbst befinde sich in einem demografischen Umbruch. Das heißt: wir werden immer älter. Das hat Konsequenzen, denn auch die Notfallzahlen nehmen zu, gerade im hohen Alter. Das bedeutet für den Rettungsdienst, dass auch hier die qualitativen Ansprüche an eine Versorgung mitwachsen. Es wäre wünschenswert, wenn sich auf dieser Grundlage auch die tarifliche Situation für die Beschäftigten im Rettungsdienst angemessen weiter entwickeln kann.“

In der siebenjährigen Übergangszeit muss nicht nur in der Ausbildung die Umstellung auf den Notfallsanitäter erfolgen – auch die bisherigen Rettungsassistenten  müssen nachqualifiziert werden. Je nach Berufserfahrung sind dafür unterschiedlich lange Qualifzierungsmaßnahmen notwendig. Alles in allem haben die Beschäftigten der Rettungsdienste damit ein großes Qualifzierungspaket zu bewältigen.

Geschäftsführer Müller betrachtet es mit großer Sorge, dass viele Rettungsdienste derzeit noch keine Notfallsanitäter ausbilden. „Der Grund dafür lag in der mangelnden Planungssicherheit – die Finanzierung der Ausbildung durch die Kostenträger war zeitweise noch nicht endgültig geklärt.“ Aber – so Müller – das wird kommen. „Es ist wichtig, dass alle Rettungsdienste bald mit der neuen Ausbildung beginnen. Sonst können wir die Übergangsfrist nicht einhalten. Und wir brauchen den Nachwuchs auch, weil die Einsatzzahlen kontinuierlich steigen.“